Da standen sie plötzlich nebeneinander: junge Mädchen und alte Matronen. Nicht als Altersfrage, sondern als Klangidee. Stimme nicht als richtig oder falsch, sondern als Haltung, Farbe, Energie. Mal leicht und neugierig, mal getragen und würdevoll. Und irgendwo dazwischen wir, auf der Suche nach dem gemeinsamen Ton.

Wir haben viel gelernt. Über den berühmten Klangteppich, der nicht einfach da ist, sondern ausgerollt werden will – ruhig, aufmerksam, tragfähig. Und über die Hüpfer, die dazugehören. Kleine rhythmische Ausrutscher, bewusst gesetzt, fast wie der Tigerkopf bei Dinner for One: Man weiß, er kommt, und trotzdem ist man jedes Mal begeistert.
Es gab diesen Augenblick, in dem die Tenöre plötzlich hochintelligent waren. Leider nur kurz, aber eindrucksvoll. Und Bässe, die klangen wie die würdigen Patrone hinten in der Kirche: fest gegründet, ein wenig streng, aber mit weitem Raum nach oben. Dazwischen tauchten Bilder auf, die man nicht vergisst – wir haben oberfränkische Hörsche kennen gelernt, die Ewigkeit, die im richtigen Moment beendet werden muss, waren irgendwo zwischen Erdung und Eigenwilligkeit, sehr präsent und oft am Limit.
Rudolf Tiersch hat uns nicht erklärt, wie es „richtig“ geht. Er hat Bilder angeboten, Zustände provoziert, Erwartungen verschoben. Und plötzlich war da ein anderer Klang. Nicht perfekt. Aber lebendig.

Am Ende waren wir müde. Und ein bisschen glücklich und verändert. Genau so, wie es nach einem guten Probenwochenende sein sollte.
Hardy (nicht so intelligenter Tenor)
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